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Generell sind in Deutschland eher wenige Ausbildungen genormt. Da ist es auch keine Überraschung, dass es im Gegensatz zu Österreich keine Norm(en) in der Ausbildung von Spa- und Wellnessberufen gibt. SPA WORLD Business hat sich mit führenden Experten über dieses Thema unterhalten. Fazit: Auch in den nächsten Jahren wird es hier wenig Bewegung geben, denn das föderalistische System der Bundesrepublik Deutschland verkompliziert die Thematik zusätzlich. Abgesehen davon wird angezweifelt, dass Normen eine grundlegende Verbesserung der Situation mit sich bringen würden.
Föderalistische Struktur für Norm nicht geeignet Michael Altewischer, Geschäftsführer der Wellness Hotels Deutschland GmbH, bringt es im Interview mit SPA WORLD Business auf den Punkt. Auf die Frage, ob er einen Bedarf an genormter Ausbildung sieht, antwortet Altewischer: "Grundsätzlich ja. Allerdings stellt uns das föderalistische System unseres Landes hierbei vor ein Problem - und das gilt für alle Branchen. Die Bildung liegt in der Zuständigkeit der Kultusminister der Bundesländer, der Bund hat hier keine Verwaltungshoheit. Bis bundeseinheitliche Ausbildungslehrgänge etabliert sind, dauert es schon mal zehn und mehr Jahre." Bisherige Bemühungen, hier etwas aus einem Guss zu präsentieren, scheitern nach Altewischer auch an der mengenmäßigen Nachfrage für das Berufsbild. "Orientieren wir uns an Christian Werner vom Relax-Guide, so werben in Deutschland ca. 1.100 Hotels mit dem Begriff 'Wellness'. Die Anzahl der wirklich glaubwürdigen Vertreter der Branche liegt bei geschätzten 350 bis 400 Häusern. Nach wenigen Jahren gäbe es somit, zumindest rechnerisch, mehr ausgebildete Fachkräfte als zu besetzende Stellen", stellt Altewischer fest.
"Kein Bedarf" sagt Peter Susat vom Wellness Verband Einen anderen Grund, warum Normen derzeit in Deutschland (noch) kein Thema sind, nennt Peter Susat, Schulleiter der Präha Akademie: "Überlegungen in diese Richtung sind vor einiger Zeit vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) in Berlin angestellt, aber wieder verworfen worden mit der Begründung, dass es dafür keinen speziellen Bedarf gebe und der Bereich 'Wellness' von anderen Berufen mitvertreten würde, wie etwa von der Kosmetikerin, vom Masseur, vom medizinischen Bademeister oder von Physiotherapeuten. Dies sind geregelte Ausbildungsberufe, die aber z. B. keine besonderen Wellnessmassagen beinhalten. Inzwischen bieten vor allem freie (private) Bildungseinrichtungen viele Wellness-Elemente innerhalb derartiger Ausbildungen an, auch um die Absolventen noch arbeitsmarktfähiger zu machen", erläutert Susat im Gespräch mit SPA WORLD Business.
Globaler Markt steht unter Einfluss verschiedenster Kulturen Olaf Seiche, Branchenleiter beim TÜV Rheinland, bringt ein weiteres Argument ins Spiel: "Der Spa- und Wellnessmarkt ist ein globaler Markt, der unter Einfluss der verschiedensten Kulturen und Ausbildungsformen steht. Eine Normierung in diesem Bereich wäre zwar wünschenswert, müsste dann aber sehr allgemein gehalten sein. Denken Sie, um ein Beispiel zu bringen, an Ayurveda. In Indien wird diese Form von Wellness als Lebensweise, deutlich über die Massage hinaus, gelebt. In Deutschland wird es nur sehr reduziert angewandt."
Ausbildung selbst in die Hand genommen Die föderalistische Struktur bringt laut Altewischer mit sich, dass Masseure, Physiotherapeuten oder gut ausgebildete Kosmetikerinnen daher häufig die Möglichkeit nutzen, sich privat weiterzubilden. "Wir als führende Hotelkooperation Wellness-Hotels GmbH haben aus der Not eine Tugend gemacht und bilden seit nunmehr dreizehn Jahren die Wellness-Hotel-Trainer der einzelnen Partnerhotels selber aus. Die Ausbildung der Mitarbeiter basiert auf Fernlehrgängen in Kombination mit Praxiswochen. Das Modell ist auch als Inhouse-Coaching durchführbar. Dieses Ausbildungsniveau ist bundesweit in der Branche anerkannt", erklärt Altewischer.
Normierung bringt (noch) keinen besseren Vergleich Einig sind sich die Experten, wenn es darum geht, ob eine Normierung eine bessere Vergleichbarkeit der Ausbildungen mit sich bringen würde. Dazu stellt Susat fest: "Normierung ist immer dann sinnvoll, wenn die Dinge einen Stand erreicht haben, wo sich kaum noch etwas verändert. Diese Branche ist allerdings noch so sehr in Bewegung, dass es möglicherweise für eine Normierung zu früh ist, weil sich vieles in der Entwicklung befindet. Außerdem wird von staatlicher Seite zurzeit nicht die Notwendigkeit einer staatlichen Regelung gesehen, wahrscheinlich auch deshalb, weil der Umfang und die Bedeutung dieses Bereichs vielen nicht hinreichend klar sind." Altewischer ist zudem der Meinung, dass eine Normierung keine Sicherheit für eine hochwertige Ausbildung bieten kann. "Nur weil es einen einheitlichen Ausbildungsrahmenplan gibt, heißt das noch lange nicht, dass alle Ausbildungsbetriebe auch eine flächendeckend qualitative Ausbildung garantieren. Hier ist die Qualität der Ausbildung, wie in allen Berufen, erheblich vorn Lehrherrn und dem Lehrbetrieb abhängig", meint Altewischer. Ins gleiche Horn bläst Seiche: "Nur durch eine Norm erreicht man meines Erachtens gar nichts. Eine Vergleichbarkeit ist dadurch nicht gegeben. Auch hier sei als Beispiel die Norm für Qualitätsmanagement aufgezeigt. Obwohl alle Systeme dieser ISO 9001 entsprechen, sind weder die Unternehmen noch die Systeme vergleichbar."
Interessen noch zu unterschiedlich und Druck zu gering Generell sieht Susat am Ende des Tages durchaus eine Notwendigkeit für Normen - auch im Bereich der Spa- und Wellnessausbildungen. "Normen sind in der Tat ein Maßstab für Vergleiche. Normen entstehen aber auch vor allem dann, wenn ein besonderer Bedarf besteht. Da die Interessen noch höchst unterschiedlich sind und manche Einrichtungen, die wenig Qualität zu hohen Preisen anbieten, an Normen kein gesteigertes Interesse haben, es andererseits viele kleine Einrichtungen mit begrenzter Fähigkeit und wenig Interesse gibt, übergeordnete Gesichtspunkte zu verfolgen, entstehen keine Normen. Da es vermutlich bisher keine schwerwiegenden Schäden in der einen oder anderen Richtung mit hohen Kosten für entsprechende Kostenträger gab, entsteht auch von dieser Seite kein Druck." Susats Fazit lautet: Die Festlegung von Normen bedarf neben der Nachfrage vor allem auch den breiten Konsens, sofern größere Organisationen, wie Verbände, sich damit beschäftigen sollen.
Abgestimmter Ausbildungsplan notwendig Auch Altewischer ist einer Norm prinzipiell nicht abgeneigt, weist jedoch darauf hin, "dass ein zumindest im deutschsprachigen Raum abgestimmter Ausbildungsrahmenplan notwendig ist". Dieser müsste den Anforderungen des Marktes - wahrscheinlich im Drei-Jahres-Rhythmus - angepasst werden. Seiche tendiert zu der Meinung, dass sich der Markt in diesem Bereich über Angebot und Nachfrage selbst regulieren wird: "Es gibt ja bereits angemessene Wellnesskriterien, wie beispielsweise die der Wellness Hotels Deutschland." Daher glaubt Seiche, dass eher darüber nachgedacht werden sollte, dieses Thema im Bereich eines Lehrberufs anzusiedeln: "Das würde bedeuten, dass Staat und Unternehmen gemeinsam überlegen, welche Inhalte zu realisieren sind und wie eine Umsetzung erfolgen kann. Das System der Berufsausbildung funktioniert in den verschiedensten Branchen sehr erfolgreich. Warum dann nicht im Wellnessbereich?"
Runder Tisch mit führenden Gremien Altewischer regt daher auch einen "runden Tisch" an, um führende Gremien aus Österreich, der Schweiz und Deutschland zusammenzubringen. "Die daraus resultierenden Ergebnisse sind in der Regel schnell am Markt durchsetzbar. Die Politik könnte dann mit einem entsprechenden Ausbildungsrahmenplan nachziehen", sagt Altewischer.
"Norm bedeutet Einschränkung der Kreativität" Mit einem kritischen Auge betrachtet Susat generell das Thema "Normen": "Normen bedeuten aber immer auch Einengungen und Einschränkungen von Kreativität, um die Dinge weiterzuentwickeln. Normen behindern Phantasie, können aber Qualität verbessern. Andererseits ist die Mehrzahl der Kunden heute kritisch und versorgt sich - auch über das Internet - mit vielen Informationen. Auch wir vom Deutschen Wellness Verband informieren und klären auf, wo immer dies gewünscht wird."
Fazit: der Bedarf ist (noch) zu gering Auf einen Nenner gebracht, unterscheidet sich die Ausbildungssituation in Deutschland zu jener in Österreich hauptsächlich durch die föderalistische Struktur, die eine einheitliche Ausbildung in vielen Bereichen nahezu unmöglich macht. Ist der Druck - so wie derzeit im Spa- und Wellnessbereich - zu gering und regelt der Markt dieses "Problem" nach Ansicht der Marktteilnehmer von selbst, wird es auch keine Bewegung in Richtung Norm geben.
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